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IM JAHRE 1689, EXISTIERTEN BEREITS LES PAPETERIES DE GUYENNE !

GUYENNE, EINE MENSCHLICHE GESCHICHTE

DIE MÜHLE LA BRUGÈRE IM 16. JAHRHUNDERT

Flussabwärts, entlang der Isle, sind die Mühlen des Périgord Zeitzeugen der Papierherstellung in dieser Region. Die älteste Mühle in Thiviers ist die Mühle La Brugère aus dem 16. Jahrhundert, deren Entwicklung eng mit der Papierfabrik Guyenne einige hundert Meter flussabwärts verbunden ist. Erst rund tausend Jahre nach seiner Entdeckung durch die Chinesen im Jahr 8 vor Christus hält Papier seinen Einzug in Europa.

19. JAHRHUNDERT: EINE FAMILIENGESCHICHTE

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts betreibt die Familie Gaillard die Mühle Les Castilloux (heutiger Standort von Guyenne Papier). Damals ist es nur eine Mühle. Die Papiermühle entsteht erst später, als die Familie Gaillard die alte Mühle La Brugère kauft. Die Papiermühle La Brugère wird nun an den Ufern der Isle, einem Flüsschen, das in die Dordogne mündet, errichtet.

DIE JAHRE UM 1900: DIE GEBURTSSTUNDE DER SPIELKARTEN

1896 wird die Papiermühle an die Firma Chartier Marteau Baoudin vermietet, dem Besitzer der Spielkartenmarke Grimaud. Dieses Unternehmen ist weltweit in allen Casinos, von Dauville, Las Vegas und sogar Shanghai, als Lieferant von Spielkarten bekannt. Die Papiermühle La Brugère stellt die Innenlagen und einseitig gestrichenes Papier her. Die Innenlage befindet sich zwischen Vorder- und Rückseite der Spielkarte.

1910: EINE FABRIK FÜR ALLES

Die Geschäftsführer errichten eine neue Fabrik in Corgnac sur l‘Isle oberhalb der Papiermühle La Brugère und installieren dort eine komplette Fertigungslinie zur Papierherstellung und zum Druck von Spielkarten.

Nach 1914-1918: eine unverzichtbare Erneuerung, gestrichenes Papier

Die Familie Gaillard übernimmt die Aktivitäten von La Brugère und stellt dort Briefpapier und gestrichenes Papier her.

1930-1960 : LES PAPETERIES DE GUYENNE

Die Mühle Les Castilloux erhält ihren endgültigen Namen am 6. März 1943: Les Papeteries de Guyenne. In den 1950er Jahren übernimmt die Familie des Comte de Rocquemaurel die drei Standorte. Das Basispapier wird im Werk Cognac gefertigt, das Papierstreichen wird in den Papeteries de Guyenne realisiert. Zuerst das klassische Streichen bis zum Aufkommen von gussgestrichenem Papier. Die Spielkartenherstellung bleibt das Hauptgeschäft

1965: Die Papeteries de Guyenne erfinden das Guss-Streichverfahren neu

Im Jahr 1965 entwickelt die Papierfabrik Guyenne ein neues Produktionsverfahren per Salzbad. Das gussgestrichene Papier, ein hoch glänzendes Papier, entsteht. Neue Märkte werden erschlossen: die Herstellung von Verpackungen für die Luxusindustrie und Etiketten für Weinflaschen.
Die Maschine “6” von Guyenne erzeugt rund 20 000 t klassisch gestrichenes Papier pro Jahr, während zwei Chromwalzen eine ultraglänzende Oberfläche im Guss-Streichverfahren herstellen.
Die Papeteries de Guyenne werden europäischer Marktführer für dieses Verfahren und arbeiten mit namhaften Parfümherstellern zusammen. Das Unternehmen erhält den ersten Verpackungspreis für die exklusive Verpackung des Parfüms Vetiver.

ENDE DER 1970ER JAHRE

Am Standort La Brugère wird die Papierherstellung gestoppt. Die Herstellung von Papier auf einer Schmalbahnmaschine ist nicht mehr wettbewerbsfähig.

1986

 

Die Gruppe konzentriert sich jetzt auf zwei Produktionsstätten: Am Standort Corgnac werden Trägermaterialien für klassisch gestrichenes Papier hergestellt, das auf der klassischen Streichmaschine der Papeteries de Guyenne weiterverarbeitet wird. Für die drei anderen Chromwalzen wird der Kauf von speziellen Trägermaterialien, Multi-Jets, in Schweden bei Coparforce und Ingesund notwendig. Das Trägermaterial für die Etikettenherstellung wird bei der Papierfabrik Papeteries de Chanteraines eingekauft, die zur Sibille-Gruppe gehört. Da er ohne Erben ist, verkauft der Comte de Roquemaurel das Unternehmen am 01.Juli 1986 an die Sibille-Gruppe. Das Unternehmen muss bereits mit ersten Problemen fertigwerden. Christian Sibille, der Geschäftsführer, verliebt sich in den Standort Les Castilloux und beginnt mit Reformen.

 

1987

Die tendenziellen Probleme des klassischen Strichs werden spürbar. Um einen zu großen Umstrukturierungsplan zu vermeiden, werden neue Produkte ins Unternehmen eingebracht. Die fluoreszierende Beschichtung hält Einzug bei Guyenne.

1989

Das Aufbringen von 20 g bis 30 g dicken Schichten außerhalb der Papiermaschine ist nicht länger wettbewerbsfähig im Vergleich zu sogenannten modernen gestrichenen Papieren. Beschichtungen zwischen 12 g und 15 g erlauben das gleiche Resultat wie der klassische Strich und können auf der Papiermaschine hergestellt werden. Der Markt für klassische Beschichtungen bricht zusammen und Guyenne trifft die Entscheidung, das Produkt nicht länger herzustellen.

1992-1994

Die Sibille-Gruppe wird von Ahlstrom aufgekauft, das allerdings nicht den Standort Les Castilloux übernehmen möchte. Christian Sibille findet einen anderen Käufer, die Gruppe Zuber Rieder. Diese Gruppe stellt in ihrer Fabrik in Boussière (Doux) Trägermaterial für Luxusverpackungen her. Die anfänglich offensichtliche Synergie zwischen Trägermaterial und Guss-Streichverfahren kommt schließlich nicht zustande. Die jeweilige Firmenpolitik ist zu unterschiedlich und die Aktivitäten weichen zu sehr voneinander ab. Die Firmenpolitik konzentriert sich deshalb darauf, mit dem Mitbewerber Zanders beim Guss-Streichverfahren in Konkurrenz zu treten. Das Ziel ist sehr ehrgeizig, da Zanders 20 Mal größer ist als Guyenne Papier. Bezüglich der Fabrik von Boussière beschließt Zuber, dem 50 Mal größeren Unternehmen Ingesund Konkurrenz zu machen. Die Antworten von Zanders und Ingesund lassen nicht lange auf sich warten. Der Preis für gussgestrichenes Etikettenpapier sinkt augenblicklich um 30%. Das gleiche gilt für die Märkte von Zuber. Die Rentabilität der beiden Fabriken schwindet und verursacht den Untergang der beiden Fabriken der Gruppe: Guyenne Papier und Zuber Rieder. Guyenne Papier meldet im März 1995 Konkurs an. Die Liquidation wird im Oktober 1995 eingeleitet.

1995: Rettung in letzter Sekunde durch die PROCOP Gruppe

 

Selbst geschwächt ist der Ruf von Guyenne noch gewichtig dank seiner Marken SuniBOX und SuniPACK, die erfolgreich auf dem Markt für Luxusgüter vertreten sind. Bei der Liquidation zeigen viele Konkurrenten und Marktbegleiter, dass sie keinen Neustart der Fabrik wünschen. Frederic Procop, unabhängiger Händler und Papierhersteller seit 1945, beschließt die Übernahme des Standorts.

Er nimmt den Standort in das Familienunternehmen auf und lässt die Maschinen am 31.Oktober wieder anlaufen. Mit dieser Entscheidung macht er sich einen Großteil des Berufsstandes zum Feind, der sich von der Auflösung von Guyenne Papier eine Neuverteilung der Marktanteile versprochen hat. Die Belegschaft schrumpft von 120 auf 66 Mitarbeiter. Mehrere Jahre lang werden Verluste angehäuft. Herr Procop glaubt an dieses Geschäft, er investiert, gleicht Defizite aus und trifft die strategische Entscheidung, im Jahr 2003 die Produktion von gussgestrichenem Papier zugunsten von Nischenprodukten aufzugeben, die weniger von der Konkurrenz bedroht sind. Im gleichen Jahr tritt seine Tochter Céline Procop ins Unternehmen ein, die ebenfalls an diesem Wandel beteiligt ist. Die Entscheidung erweist sich als richtig, das Unternehmen erzielt ab 2005 erste Gewinne und schafft es schließlich, sich selbst zu finanzieren.

 

Seit 2009: Das unternehmerische Engagement

Céline Procop wird zunächst kaufmännische Leiterin (2005) und übernimmt dann die Geschäftsleitung (2009) von Guyenne. 2012 kauft sie im Bewusstsein der Stärken, der Schwächen und vor allem des Potenzials der Firma die Fabrik ihrem Vater ab und wird am 5. Juli des gleichen Jahres Mehrheitsaktionärin. Guyenne Papier erlebt einen Aufschwung und schafft es, auf der internationalen Bühne Fuß zu fassen. Das Unternehmen bekommt Struktur, baut Forschung und Entwicklung aus, erneuert die Räumlichkeiten, setzt auf Qualität und investiert seit 2005 jedes Jahr die vergleichbare Summe seines Bilanzgewinns - manchmal auch mehr - in die Gestaltung der Zukunft.

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